Dorfchronik
Geschichte Lengsdorfs
Lengsdorf ist ein Ortsteil der Bundesstadt Bonn im Stadtbezirk Hardtberg, gelegen im Südwesten der Stadt in Nordrhein-Westfalen. Der Ort blickt auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück, die bis ins frühe Mittelalter reicht. Die ersten urkundlichen Erwähnungen stammen aus dem 9. Jahrhundert. Über viele Jahrhunderte hinweg prägte der Weinanbau das wirtschaftliche Leben des Dorfes. Am 1. August 1969 wurde Lengsdorf in die Stadt Bonn eingemeindet.
Lengsdorf heute
Auf einer Fläche von rund 222 Hektar leben heute etwa 7.649 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand: 31. Dezember 2022). Die Bevölkerung ist seit 1990 um rund 12 Prozent gewachsen. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 40 Jahren — typisch für das Bonner Stadtgebiet. Rund 830 Personen sind unter 18 Jahre alt, knapp 800 sind 65 Jahre oder älter. Etwa 47 Prozent der Bevölkerung sind katholisch, rund 20 Prozent evangelisch; der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt bei etwa 22 Prozent und entspricht damit in etwa dem gesamtstädtischen Durchschnitt.
Zu den wichtigsten öffentlichen Einrichtungen zählen die Kreuzbergschule (Grundschule), mehrere Kindergärten und Kindertagesstätten, die römisch-katholische Pfarrkirche, das von Vereinen errichtete Bürger- und Vereinshaus sowie ein katholisches Pfarrzentrum. Ergänzt wird das Angebot durch eine katholische öffentliche Bücherei, ein Jugendzentrum und das Haus Mühlenbach, ein privates Pflegeheim für ältere Menschen. Das Heimatmuseum Lengsdorf dokumentiert die Geschichte des Ortsteils durch Ausstellungen, Vorträge und Exkursionen.
Das Gemeinschaftsleben ist vielfältig: Sport- und Heimatvereine, verschiedene bürgerschaftliche Initiativen und der Ortsfestausschuss Lengsdorf prägen das Vereinsleben. Zu den jährlichen Höhepunkten zählen der Karnevalsumzug, die Fronleichnamsprozession, die Kirmes im August, das Weinfest und der Martinszug.
Wirtschaftlich ist Lengsdorf nicht nur Wohnort, sondern auch Arbeitsstandort: Im Ortsteil haben unter anderem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie Dienststellen des Technischen Hilfswerks ihren Sitz. Die rund 2.300 Wohnungen liegen preislich leicht über dem Bonner Durchschnitt; die Arbeitslosenquote im Stadtteil ist mit rund 13 Prozent höher als im gesamtstädtischen Vergleich.
Chronik der Besiedlung Lengsdorfs
Diese Zeitleiste dokumentiert die Siedlungsgeschichte Lengsdorfs von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart. In ihrer Gliederung folgt sie der Broschüre „Geschichte der Besiedlung“ des Heimatmuseums Lengsdorf. Ergänzend zu den chronologischen Einträgen erläutert eine fundierte Einleitung den historischen Kontext und bietet entsprechende Quellenverweise.
Als chronologisches Nachschlagewerk fungiert die Zeitleiste als ideale Ergänzung zur Ortschronik: Während die Chronik die allgemeine Historie erzählerisch darstellt, fokussiert sich die Zeitleiste auf die präzise Auflistung von Ereignissen und dokumentierten Funden. Beide Werke greifen ineinander und bieten so einen umfassenden Überblick über die Dorfgeschichte.
Lengsdorf um 1920
Heimatmuseum Foto Archiv
Im Heimatmuseum Lengsdorf können Sie die Originalversionen der Bilder besichtigen.
Der Bombenangriff auf Lengsdorf
Am 28. Dezember 1944 traf der größte britische Bomberverband, der bislang gegen Bonn aufgeboten worden war, den Bonner Süden. In nur vier Minuten warfen 162 Lancaster- und 16 Mosquito-Bomber kurz nach 18:30 Uhr ihre Bombenlast über dem Stadtzentrum, Poppelsdorf, Endenich, Ippendorf und Lengsdorf ab. Für Bonn wurde dieser Donnerstag zum blutigsten Tag des gesamten Bombenkrieges: insgesamt mehr als 600 Todesopfer.
In Lengsdorf starben 57 Menschen — darunter neun französische Kriegsgefangene, zwei polnische Zivilarbeiter und zwei sowjetische „Ostarbeiterinnen“. 54 Familien wurden obdachlos, die Mühle Wirtz schwer beschädigt. Die Toten lagen bis zum 6. Januar 1945 vor der Schule gegenüber der Pfarrkirche aufgebahrt; Särge waren Mangelware.
Stephan Rothkegel, langjähriger Einwohner Lengsdorfs, hat diesen Auszug aus seiner Familienchronik zur Verfügung gestellt. Er verbindet veröffentlichte Quellen mit mündlichen Überlieferungen seiner Familie und erinnert dabei stellvertretend an Klara Schneider, deren Schicksal in den Kellern der Lengsdorfer Hauptstraße zum Sinnbild der individuellen Tragödien dieses Abends geworden ist.















