Visuelle Erzählung der Geschichte

Im Heimatmuseum Lengsdorf können Sie die Originalversionen der Bilder besichtigen.

Heimat und Verschönerungsverein Lengsdorf Bonn

Heimatmuseum Foto Archiv

Die Pfarrkirche St. Peter

Pfarrkirche St. Peter in Lengsdorf mit historischem Friedhof (um 1905)

Pfarrkirche St. Peter in Lengsdorf mit historischem Friedhof (um 1905)

Die historische Schwarzweißfotografie zeigt die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter im Bonner Ortsteil Lengsdorf in einem Zustand, der vermutlich um 1905 datiert werden kann. Im Vordergrund erstreckt sich der damalige Kirchhof mit zahlreichen Grabkreuzen, die dicht um das Kirchengebäude angeordnet sind — ein typisches Merkmal ländlicher Pfarrstrukturen vor der Anlage moderner Friedhöfe außerhalb der Ortskerne.
Architektonisch ist ein Bauzustand erkennbar, der noch vor den massiven Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs liegt. Besonders auffällig ist der zentrale Turm über dem Langhaus, der sich deutlich von dem heutigen Turm unterscheidet: Dieser ursprüngliche Turm wurde bei den Bombenangriffen 1944/45 zerstört und später durch einen Neubau an veränderter Position ersetzt. Damit dokumentiert das Bild einen nicht mehr existierenden baulichen Zustand der Kirche.

Die Baukörpergliederung verweist auf die mittelalterliche Entstehungsgeschichte: Das Langhaus und die Seitenschiffe gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, während spätere Ergänzungen — insbesondere aus dem 19. Jahrhundert — sich in den Fensterformen und Proportionen widerspiegeln. Die Umgebung wirkt noch stark ländlich geprägt, mit wenigen baulichen Strukturen außerhalb der Kirche und einer Einbettung in die natürliche Landschaft.
Im weiteren historischen Kontext steht diese Aufnahme für eine Phase Lengsdorfs, in der das Dorf noch stark agrarisch geprägt war, der Weinbau bereits aufgegeben wurde (seit 1904), und die Kirche weiterhin das zentrale soziale und religiöse Zentrum des Ortes bildete. Gleichzeitig fungiert das Bild als visuelles Zeugnis für die Kontinuität kirchlicher Strukturen seit dem Mittelalter sowie für die tiefgreifenden baulichen Veränderungen, die durch Krieg und Wiederaufbau im 20. Jahrhundert ausgelöst wurden.

„Gruß aus Lengsdorf“

Pfarrkirche St. Peter in Lengsdorf mit historischem Friedhof (um 1905)

„Gruß aus Lengsdorf um 1920“

Diese historische Postkartenansicht, versehen mit dem Schriftzug „Gruß aus Lengsdorf, Bonn-Ld.“.

Im Vordergrund zeugen ausgedehnte Felder von der bäuerlichen Prägung des Ortes, die das wirtschaftliche Leben über Jahrhunderte bestimmte. Noch 1822 waren die rund 400 Einwohner fast ausschließlich Bauern oder Winzer. Die dichte Bebauung im Mittelgrund veranschaulicht das stetige Wachstum der Gemeinde, die im Jahr 1893 erstmals die Marke von 1.000 Einwohnern erreichte.

Blick vom Kreuzberg auf Lengsdorf. Ein architektonisch und historisch besonders wertvolles Detail befindet sich am linken Bildrand: Hier ist die alte Pfarrkirche St. Peter mit ihrem ursprünglichen Turm über den östlichen Langhausjochen zu sehen. Da dieser Turm bei dem verheerenden Bombenangriff am 28. Dezember 1944 zerstört und in den 1950er Jahren durch einen Neubau an der Südwestecke ersetzt wurde, dokumentiert diese Fotografie den intakten Vorkriegszustand des Sakralbaus. Im Hintergrund Blick auf das Vorgebirge, es lassen sich die waldreichen Ausläufer des Kottenforsts erahnen, während die hoch aufragenden Schornsteine auf die einsetzende Industrialisierung oder lokale Gewerbebetriebe im Bonner Umland hindeuten.

Cäcilienchor Lengsdorf

HVV-Cäcilienchor Lengsdorf vor der Pfarrkirche St. Peter (1936)

Cäcilienchor Lengsdorf vor der Pfarrkirche St. Peter (1936)

Die Schwarzweißaufnahme aus dem Jahr 1936 zeigt den Cäcilienchor Lengsdorf, einen katholischen Kirchenchor, der traditionell der heiligen Cäcilia – der Patronin der Kirchenmusik – gewidmet ist. Die Gruppe besteht ausschließlich aus Männern, die in mehreren Reihen vor einem kirchlichen Gebäude arrangiert sind. Im Zentrum der Komposition steht ein Banner mit einer Marienfigur, das auf die religiöse Ausrichtung und die liturgische Funktion des Chores verweist.

Die formelle Kleidung der Männer – Anzüge, Krawatten und teilweise Westen – unterstreicht den repräsentativen Charakter der Aufnahme. In der vorderen Reihe sitzen ältere Mitglieder, während die jüngeren und mittelalten Sänger dahinter stehen. Die klare Staffelung und die strenge Bildkomposition spiegeln nicht nur fotografische Konventionen der Zeit wider, sondern auch soziale Hierarchien innerhalb solcher Gemeinschaften.

Historisch ist der Cäcilienchor Teil der tief verwurzelten katholischen Vereins- und Musikkultur des Rheinlands, die besonders in Orten wie Lengsdorf eine zentrale Rolle spielte. Solche Chöre waren nicht nur für die musikalische Gestaltung der Liturgie verantwortlich, sondern auch wichtige Träger sozialer Bindung und kollektiver Identität. Gerade in der Zwischenkriegszeit erfüllten sie eine stabilisierende Funktion im gesellschaftlichen Leben, indem sie Kontinuität, Gemeinschaft und religiöse Orientierung boten.

Die Aufnahme entstand in einer politisch hoch aufgeladenen Zeit des Jahres 1936, in der das nationalsozialistische Regime bereits fest etabliert war. Dennoch zeigt das Bild bewusst keine politischen Symbole, sondern konzentriert sich auf die kirchliche Gemeinschaft – ein inweis darauf, dass religiöse und lokale Strukturen weiterhin eigenständige soziale Räume bildeten, auch wenn sie zunehmend unter staatlichen Einfluss gerieten.

Im Kontext der Lengsdorfer Ortsgeschichte steht dieses Bild exemplarisch für das organisierte Vereinsleben vor dem Zweiten Weltkrieg. Es ergänzt die dokumentierte Bedeutung von Kirche und Gemeinschaft im Dorf und verdeutlicht, wie stark religiöse Institutionen als kulturelle und soziale Anker fungierten. Gleichzeitig bildet es einen visuellen Kontrast zu den späteren Zerstörungen der Kirche im Jahr 1944/45 und den tiefgreifenden Veränderungen der Nachkriegszeit.

Pfarr Cäcilienchor- Weihnachten 1956

HVV-Pfarr-Cäcilienchor Lengsdorf – Weihnachten 1956

Pfarr-Cäcilienchor Lengsdorf – Weihnachten 1956

Das schwarz-weiße Gruppenfoto zeigt den Pfarr-Cäcilienchor Lengsdorf an Weihnachten 1956. Etwa 50 Sängerinnen und Sänger – überwiegend Frauen in Mänteln und Winterkleidung, ergänzt durch einige Männer und Jugendliche – haben sich in mehreren Reihen vor der Pfarrkirche St. Peter aufgestellt.
Im Hintergrund erkennt man deutlich die Nachkriegsarchitektur der Kirche:
Der Wiederaufbau nach den schweren Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs war zu diesem Zeitpunkt weit fortgeschritten. Der neue Westturm (eingeweiht 1953) ist bereits fertiggestellt, während Teile der Umgebung noch die Spuren der Kriegszerstörung zeigen. Eine Kirchenfahne mit Marienmotiv weht am Fahnenmast.
Der Cäcilienchor, benannt nach der heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Kirchenmusik, war in den 1950er Jahren ein zentraler Bestandteil des katholischen Gemeindelebens in Lengsdorf. Er gestaltete die Gottesdienste musikalisch mit, insbesondere die feierlichen Hochämter an Weihnachten, Ostern und zu Patronatsfesten. Solche Choraufnahmen dokumentieren nicht nur die musikalische Tradition, sondern auch den starken Zusammenhalt der Pfarrgemeinde in der Wiederaufbauphase nach 1945.

1956 – Weihnachten im Zeichen des Wiederaufbaus

Nur elf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und sieben Jahre vor der Eingemeindung nach Bonn zeigt das Foto den Pfarr-Cäcilienchor bei einer der wichtigsten Feiern des Kirchenjahres. Die Aufnahme entstand in einer Zeit intensiver Wiederaufbaubemühungen: Die Pfarrkirche St. Peter war seit 1950 schrittweise repariert und erneuert worden. 1953 wurde der neue Glockenturm eingeweiht, 1955 folgten vier neue Bronzeglocken.

Der Cäcilienchor verkörperte in diesen Jahren die lebendige kulturelle und religiöse Kontinuität Lengsdorfs. In einer Zeit, in der viele Familien noch mit den Folgen von Krieg und Vertreibung kämpften, bot der Chor Raum für Gemeinschaft, Musik und Trost. Solche Gruppenfotos waren damals üblich und dienten zugleich als Erinnerung an die Geschlossenheit der Pfarrgemeinde.

Das Bild ist ein eindrucksvolles Zeugnis der 1950er Jahre in Lengsdorf: einer Phase des langsamen wirtschaftlichen Aufschwungs, des kirchlichen Wiedererwachens und des starken Vereinslebens, das bis heute das Ortsbild prägt.

Fotoarchiv alte Bilder

HVV-Luftbild der Papierfabrik Olef in Lengsdorf (um 1955)

Luftbild der Papierfabrik Olef in Lengsdorf
(um 1955)

HVV-Lengsdorfer Frauengruppe beim Ausflug am Kreuzberg

Lengsdorfer Frauen am  Kreuzberg um 1947

HVV-Lengsdorf-Weinfest-1982

Lengsdorf- Weinfest 1982

HVV-Lengsdorfer Frauengruppe vor dem Bonna-Bus

Lengsdorfer Frauengruppe vor dem Bonna-Bus

Bilder aus Lengsdorf  2011