Maifest
Wenn Lengsdorf den Frühling begrüßt
Der Mai beginnt nicht still. Er beginnt mit Musik, mit Bändern in allen Farben, mit einem Baum, der in die Höhe wächst, weil viele Hände ihn aufrichten und mit einer jungen Frau, die ein Jahr lang Lengsdorf als Maikönigin vertritt.
Das Maiansingen (oder auch Singen in den Mai) ist ein traditionelles Frühlingsfest, bei dem die Dorfgemeinschaft am Vorabend des 1. Mai oder am Feiertag selbst zusammenkommt, um gemeinsam zu singen, zu tanzen und den Frühling zu begrüßen. Rund um Bonn und in der Region gibt es dazu zahlreiche Maifeier mit etablierten Veranstaltungen.
Es ist die Stunde, in der das Veedel sich selbst zeigt: bunt, herzlich und mit voller Vorfreude auf den Sommer.
Was zum Maifest gehört
Das Lengsdorfer Maifest wird im Bonner Raum auch Maitreff genannt
Der Maitreff
Der Maitreff ist das Herz des Abends. Seit dem 30. April 2019 versammelt sich das Veedel vor dem Heimatmuseum, Jahre zuvor auf dem Dorfplatz. Nachbarn, Familien, Freunde, alte und neue Lengsdorferinnen und Lengsdorfer kommen zusammen. Man steht beisammen, redet, lacht, stößt an. Es ist kein steifes Programm es ist ein Treffen unter freiem Himmel, mit einem Glas in der Hand und der Aussicht auf einen langen, schönen Abend.
Der Maibaum
Der Maibaum ist eine frische Birke. Sie wird gefällt, geschmückt und vor dem Heimatmuseum aufgerichtet. Die Freiwillige Feuerwehr bringt sie ins Veedel und hilft beim Aufrichten. Kinder wickeln bunte Krepppapierbänder um die Zweige.
Im Rheinland hat die Birke eine besondere Bedeutung. Sie ist einer der ersten Bäume, die im Frühjahr austreiben ein Zeichen für Licht, Neubeginn und Zuneigung. In manchen Gegenden stellen junge Männer in der Mainacht eine kleine geschmückte Birke vor das Haus ihrer Angebeteten ein liebevoller, augenzwinkernder Brauch, den man in den umliegenden Dörfern noch lebendig findet. In Schaltjahren drehen sich die Rollen um, und die jungen Frauen sind an der Reihe.
Die Maikönigin
Der feierliche Höhepunkt ist die Krönung der Maikönigin, des Maikönigs oder eines Maikönigspaares. Eine junge Lengsdorferin oder ein junger Lengsdorfer (in manchen Jahren auch ein Paar) wird vom Ortsfestausschuss (OFA) für ein Jahr benannt. Der Bezirksbürgermeister setzt der Königin vor allen Anwesenden die Krone auf, sie hebt das Glas und der Beifall ist groß.
Die Maikönigin ist mehr als ein schöner Auftritt. Sie repräsentiert Lengsdorf ein Jahr lang bei offiziellen Anlässen, sie steht für unsere Gemeinschaft, und ihr Name wird in die Erinnerung des Ortes eingetragen. Es ist eine Aufgabe, die Stolz macht und eine, die jeder Jahrgang neu mit Leben füllt.
Tanz in den Mai
Wenn die Krönung vorbei ist, geht das Fest weiter. „Tanz in den Mai“ heißt der Brauch, der den letzten Abend des Aprils mit dem ersten Mai verbindet. Eine Band oder ein DJ spielt, getanzt wird bis in die Nacht. Am Morgen des 1. Mai steht der Maibaum, die Krönung ist gefeiert, und der Frühling ist offiziell eingezogen.
Wo der Brauch herkommt
Das Maifest ist alt. Sehr alt. Seine Wurzeln reichen weit zurück in vorchristliche Frühlingsbräuche, in die Walpurgisnacht vom 30. April, in die Freude der Menschen darüber, dass der Winter vorbei ist und die Natur wieder erwacht. Schon vor Jahrhunderten zündeten die Menschen an diesem Abend Feuer an, tanzten und begrüßten den Mai.
In Lengsdorf hieß die Maiveranstaltung früher Maiansingen ein Name, der in den umliegenden Dörfern bis heute gebräuchlich ist.
Im Rheinland wurde aus dem alten Frühlingsfest mit der Zeit etwas Eigenes: ein Brauch mit dem Maibaum als Liebeszeichen und der Maikönigin als Repräsentantin der Gemeinschaft. Lengsdorf gehört zu den Orten, in denen diese rheinische Tradition besonders lebendig geblieben ist eingebettet in die Geborgenheit eines Veedels, das sein eigenes Tempo und seinen eigenen Stil bewahrt hat.
In Süddeutschland sieht das Maifest ganz anders aus: Dort steht ein einziger, riesiger Dorfmaibaum, oft weiß-blau bemalt und mit Zunftzeichen geschmückt. In England tanzt man Bändertänze um einen hohen Pfahl. In Tschechien bewacht man den Baum tagelang gegen Diebe.
So vielfältig die Formen sind die Idee dahinter ist überall dieselbe: den Frühling feiern, die Gemeinschaft sichtbar machen, sich freuen, dass es weitergeht.
Wer das Maifest trägt
Hinter jedem Maifest steht Arbeit, und die wird in Lengsdorf gemeinsam gemacht. Der Ortsfestausschuss (OFA) koordiniert das Fest gemeinsam mit dem Heimat- und Verschönerungsverein Lengsdorf e. V., der das Heimatmuseum als Ort zur Verfügung stellt, beim Aufbau und bei der Organisation hilft und die Bewirtung übernimmt. Die Freiwillige Feuerwehr bringt die Birke und hilft beim Aufrichten. Und viele Nachbarn helfen mit beim Schmücken, beim Aufstellen, beim Auf- und Abbau.
Auch in den schwierigen Zeiten der Pandemie 2020 und 2021 ist das Maifest in Lengsdorf nicht ganz verschwunden. Damals stand eine kleine, geschmückte Birke vor dem Museum, von der Gemeinschaft am Leben gehalten als stilles Zeichen, dass die Tradition wartet, bis sie wieder voll gefeiert werden kann. Genau das ist 2022 geschehen, und seitdem ist das Maifest jedes Jahr aufs Neue das, was es immer war: ein fröhlicher, herzlicher Auftakt in den Frühling.
Warum das Maifest wichtig ist
Man kann auch ohne Maifest in Lengsdorf wohnen. Aber wer einmal dabei war beim Heben der Birke, beim Jubel zur Krönung, beim Tanzen bis in die Nacht versteht, warum die Tradition lebt.
Das Maifest verbindet. Generationen, die sonst selten zusammenkommen, packen gemeinsam an. Kinder lernen, wie man Krepppapierbänder bindet. Junge Erwachsene erleben ihre Königin. Ältere erinnern sich an ihre eigene Maikönigin-Zeit. Neue Nachbarn werden zum ersten Mal Teil von etwas, das schon lange vor ihnen da war und das hoffentlich noch lange nach ihnen weitergehen wird.
Der Maibaum ist ein Zeichen. Die Krönung ist ein Versprechen. Der Maifest ist ein Geschenk. Drei einfache Gesten, die jedes Jahr von Neuem zeigen:
Lengsdorf ist da. Lengsdorf feiert. Lengsdorf bleibt.
























