Weinkultur in Lengsdorf
Fast tausend Jahre Wein, lebendig bis heute
Wein gehört zu Lengsdorf, seit es Lengsdorf gibt. Fast. Die erste urkundliche Erwähnung Lengsdorfer Weingärten stammt aus dem Jahr 1067, als Erzbischof Anno II. sie dem Kölner Stift zum heiligen Georg schenkte. Mitte des 15. Jahrhunderts umfasste der Weinbau in der Lengsdorfer Gemarkung bereits rund 53 Morgen. Über Jahrhunderte prägte der Wein den Ort: Die Reben wuchsen am Kreuzberghang, am Hardtberg und im Flodeling, fast jedes Haus besaß eine eigene Kelter, und Flurnamen wie „In der roten Kanne“ erinnern bis heute an diese Zeit.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Ende. Schlechte Weinjahre, Schädlinge wie die Reblaus, der lohnendere Gemüseanbau und die preußische Weinsteuer drängten den Weinbau zurück. 1904 wurde die Lengsdorfer Weinbaukommission aufgelöst. Lengsdorf hatte aufgehört, ein Weinort zu sein.
Weinbau in Lengsdorf
Zum Weinbau in Lengsdorf: Von 1067 bis heute, eine fast tausendjährige Praxis
Der Weinbau in Lengsdorf ist alt. Schon 1067 sind Weingärten am Ort überliefert, und 1449 umfasste die Anbaufläche rund 53 Morgen. Die Reben standen vor allem am sonnigen Kreuzberghang und in den Lagen rund um den Hardtberg und das Flodeling. Der Lengsdorfer Wein war überwiegend rot. Eine Beschreibung von 1830 nennt ihn „roth und mittelmäßig“, denn die roten Reben gaben größere Mengen. Er wurde meist am Ort getrunken; nur in kleinen Mengen und mit dem besseren Ahrwein gemischt gelangte er in andere Gegenden. Fast jedes Haus besaß eine eigene Kelter, und die Weinlese war ein geregeltes Gemeinschaftswerk: Erst wenn die örtliche Weinbaukommission die Reife der Trauben festgestellt hatte, kündigte Glockengeläut den Beginn der Lese an.
Lengsdorfer Winzer
Menschen und Handwerk hinter dem „St.-Petri-Garten“
Hinter dem Lengsdorfer Wein stehen Menschen, die ihn über Jahrzehnte getragen haben. Als 1978 beim Weinfest die Idee aufkam, die alte Weintradition wiederzubeleben, fanden sich zwei Männer, die sie verwirklichten: Karl Keienburg, damals Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins, und sein Stellvertreter Karl Vogel, der den Lengsdorfer Weinbau jahrelang mit großer Sorgfalt organisierte. Vogel gab dem Wein in Anlehnung an die katholische Pfarrkirche St. Peter den Namen „St.-Petri-Garten“.
Über viele Jahre prägte Heinz-Jürgen Kirwald die Weinkultur des Vereins. Er gestaltete die Festschriften zum Weinfest und die Etiketten des Lengsdorfer Weins und führte den Besuchern jährlich die Kelterung vor dem Heimatmuseum vor, bis zu seinem Tod im Jahr 2023.
Heute liegt die Weinarbeit in den Händen der HVV-Winzer Wolfgang Schick und Andreas Kolits.
Lengsdorfer Weinfest
Alle zwei Jahre: das größte Fest des Ortes
Das Lengsdorfer Weinfest ist das größte Fest, das der Ort zu bieten hat. Seine Wurzeln reichen weit zurück: Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden im Oktober in den Lengsdorfer Wirtschaften die beliebten Winzerfeste statt, bei denen in Winzerlauben ein guter Tropfen ausgeschenkt wurde und die Paare tanzten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Brauch wieder aufgegriffen. Seither wird alle zwei Jahre ein großes Weinfest gefeiert, und auf dem Dorfplatz vor der Pfarrkirche St. Peter erinnert eine alte Doppelkelter an die jahrhundertelange Weintradition des Ortes.
Die Lengsdorfer Weinköniginnen
Ein Amt mit eigener Tradition
Zu jedem Lengsdorfer Weinfest gehört die Krönung einer Weinkönigin. Sie wird im Rahmen des Festes gekrönt und repräsentiert für die folgenden zwei Jahre, bis zum nächsten Weinfest, die Weinkultur des Ortes. Das Amt hat in Lengsdorf eine eigene Tradition und steht sinnbildlich für die Verbindung von Wein, Fest und Gemeinschaft, die den Ort seit Jahrhunderten prägt.
Schon zu den ersten Festen der wiederbelebten Weintradition gehörte eine Weinkönigin: 1987 etwa wirkte Weinkönigin Martina I. bei der Weinlese auf dem Dorfplatz mit. Seither hat eine ganze Reihe junger Frauen das Amt getragen und das Lengsdorfer Weinfest nach innen wie nach außen vertreten.
Wie kam die Reblaus nach Bonn?
Schon die Römer bauten in der Region Wein an, doch ein Schädling zerstörte ab 1874 die Weinstöcke rund um Bonn. Die Reblaus tauchte vor 150 Jahren erstmals auf dem Annaberg bei Bonn auf. Wer das verursacht hat, ist bemerkenswert.
So wurde die Reblaus nach Deutschland eingeschleppt.
An den dicht bewachsenen Hängen im Annaberger Tal verstecken sich noch die früheren Terrassen der Weinberge. Eine historische Postkarte aus dem Bestand des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH) Bad Godesberg zeigt, dass die obere Annaberger Straße auf dem Weg zum Annaberger Schloss von Weinbergen gesäumt war. Ausgerechnet hier tauchte vor 150 Jahren erstmals die Reblaus in Deutschland auf, wie Professor Wolfgang Böhme in einem Vortrag beim Heimatverein und in Band 61 der Godesberger Heimatblätter berichtet.





















