Weinkultur in Lengsdorf

Lengsdorfer Tradition des Weinanbaues

Die Geschichte des Weinanbaues in Bonn-Lengsdorfreicht weit zurück. Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Lengsdorfer Wein im Jahre 1067.

Damals schenkte der Erzbischof Anno der II der Kirche St. Georg in Köln einen Hof in Lengsdorf mit sieben Marsus (ein Mansus war die Landmenge, die eine Familie brauchte, um sich selbst zu versorgen, je nach Bodenqualität entsprach dies meist ca. 6 bis 25 Hektar) sowie Weinberg und Tennen. Demnach wurde bereits vor mehr als 9oo Jahren in Lengsdorf Weinbau betrieben.

Um das Jahr 1449 umfasste die Weinanbaufläche in der Lengsdorfer Gemarkung nach Aufzeichnungen aus dem Museumsarchiv bereits 53 Morgen.

Die Weingärten (damals sogenannte Wingede) lagen vor allem entlang des Kreuzberghanges. Historische Karten aus der napoletanischen Zeit können diese Standorte belegen. Des Weiteren wurden Reben auch am Hardtberg und Flodeling angebaut.

Aus einer Steuerliste des Jahres 1664 konnte entnommen werden, dass 44 einheimische und 4 auswärtige Grundbesitzer in Lengsdorf Weinbau betrieben. Danach bewirtschaftete vermutlich die größte Anbaufläche der Pächter des Schallenhofes, die Fam. Gummersbach.

Während der französischen Besatzung des Rheinlandes wurden die Weinberge durch die französischen Soldaten erheblich beschädigt.

Die Anwohner machten sich nach dem Abzug der französischen Truppen nach 1814 an die Rekultivierung der verwilderten und zerstörten Flächen und die Neubepflanzung der Weinberge. Der große Einsatz der Bevölkerung wurde bereits 1819 belohnt, auf ca. 48 Morgen Land wurden wieder Reben angebaut.

In der Uhlgasse 22 gab es  nach einer Überlieferung einen Gewölbekeller mit einer großen Kelter. Mehrere Bonner Klöster kelterten dort ihren Wein. Auch im Mühlenbach stand bis 1930 eine Kelter, die den Lengsdorfer „kleinen“ Leuten zur Verarbeitung ihrer Reben zur Verfügung stand.

Ende für den Weinbau in Bonn .

So wurde dir Reblaus nach Deutschland eingeschleppt

Ausgang des 19. Jahrhunderts verseuchten Reblaus sowie Mehltau und andere Pilzerkrankungen in steigendem Masse unsere Weinflächen. Da es die heutigen Spritzverfahren noch nicht gab, fiel ein Weinstock nach dem anderen den verheerenden Seuchen zum Opfer. Die Weinerträge wurden immer geringer und die Bauern pflanzten nun in den alten Weingärten Obstbäume an. Um die Jahrhundertwende wurden nur noch von zwei Bauern Reben angebaut. 1904 löste sich die Weinbaukommission auf und besiegelte so das Ende für Lengsdorf als Weinort.

Auch der Ortsfestausschuss mit Jakob Nettekoven und Adam Leyendecker an der Spitze  des Heimat und Verschönerungsverein, erinnerten sich an die Lengsdorfer Weintraditon und organisierten   im Jahre 1968 das erste Weinfest (neuer Zeitrechnung).
Mitglieder des Heimat– und Verschönerungsverein besannen sich dieser alten Tradition des Weinbaues in Lengsdorf und pflanzten an ihren Häusern und in Gärten wieder Reben an, mit dem Erfolg, dass erstmals 1981 nach 77 Jahren  wieder ein neuer Lengsdorfer Wein gelesen werden konnte.

Heute können wir mit Stolz von unserem Wein sagen: Die Vielfalt der Rebesorten, der Anbauorte und die Kelterung in Handarbeit, machen Lengsdorfer Wein zu einer einzigartigen Rarität.